Schriftliche Prüfung

Nähere Informationen zum schriftlichen Teil der notariellen Fachprüfung

Allgemeine Informationen zur schriftlichen Prüfung

Die schriftliche Prüfung umfasst vier fünfstündige Aufsichtsarbeiten. Sie dient der Feststellung, ob die Prüflinge die für den Notarberuf erforderlichen Fachkenntnisse erworben haben und ob sie fähig sind, in begrenzter Zeit mit vorgegebenen Hilfsmitteln eine rechtlich einwandfreie und zweckmäßige Lösung für Aufgabenstellungen der notariellen Praxis zu erarbeiten (§ 7 b Abs. 1 Satz 2 BNotO).

 

Bei der schriftlichen Prüfung werden die Aufsichtsarbeiten der ersten Kampagne eines Jahres Ende März / Anfang April und der zweiten Kampagne eines Jahres Ende September / Anfang Oktober jeweils innerhalb einer Woche an den Wochentagen Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag angefertigt. Anders als in den juristischen Staatsexamina kommen alle in § 5 NotFV genannten Rechtsgebiete als Gegenstand jeder der vier Aufsichtsarbeiten in Betracht. Eine Aufteilung der Klausuren nach Prüfungsfächern (z. B. Liegenschaftsrecht, Gesellschaftsrecht, Erbrecht) gibt es nicht.

 

Einzelheiten zur schriftlichen Prüfung sind in der Verordnung des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz über die notarielle Fachprüfung (NotFV) geregelt.


Aufgaben und Hilfsmittel

Klausuraufgaben

Die Aufgabenkommission bei dem Prüfungsamt für die notarielle Fachprüfung bei der Bundesnotarkammer hat folgende Vorgaben für die Gestaltung von Aufgabenvorschlägen für Aufsichtsarbeiten in der notariellen Fachprüfung beschlossen:

  • Jede schriftliche Prüfungsaufgabe soll einen einheitlichen Sachverhalt behandeln. Der Sachverhalt der Aufgabenstellung kann auch aus einem vorgegebenen Urkundsentwurf und/oder einer Zwischenverfügung oder aus Schriftstücken zu einem laufenden gerichtlichen Verfahren bestehen.
  • Zu diesem Sachverhalt sollen die Prüflinge ein Gutachten anfertigen. Im Anschluss daran kann die Formulierung des Entwurfs einer Urkunde (ganz oder teilweise) verlangt werden. Der Entwurf kann einzelne Bestimmungen sowie formale Urkundsbestandteile wie den Urkundseingang oder den Schlussvermerk beinhalten. Damit sollen die Prüflinge ihre Befähigung unter Beweis stellen, eine wirksame und zweckmäßige Urkunde zu errichten.
  • Im Anschluss an das Gutachten und ggf. den Entwurf oder Teilentwurf einer Urkunde kann die Aufgabenstellung Zusatzfragen sowohl zum materiellen Recht als auch zum Berufs- und Beurkundungsrecht, zum Kostenrecht, zum Steuerrecht oder zu anderen Rechtsgebieten enthalten.

Es ist darauf hinzuweisen, dass es keine festgelegte Form der Prüfungsaufgaben gibt und diese daher variieren können.

Übungsklausuren finden Sie im Bereich Service unter dem Punkt Musteraufgaben.

 

Hilfsmittel

Unter dem Punkt Hilfsmittel sind Einzelheiten zu den zulässigen und unzulässigen Hilfsmitteln während der notariellen Fachprüfung sowie das

aufgeführt.


Bewertung und Notenbekanntgabe

Wird mehr als eine der vier Aufsichtsarbeiten mit weniger als 4,00 Punkten benotet oder liegt der Gesamtdurchschnitt aller Aufsichtsarbeiten unter 3,50 Punkten, ist die notarielle Fachprüfung bereits aufgrund der Leistung im schriftlichen Teil nicht bestanden. Die Aufsichtsarbeiten werden dabei nach § 1 der Verordnung über eine Noten- und Punkteskala für die erste und zweite juristische Staatsprüfung vom 3. Dezember 1981 (JurPrNotSkV) bewertet.

Die Notenbekanntgabe des schriftlichen Prüfungsteils erfolgt schriftlich. Prüflinge, die bereits den schriftlichen Teil nicht bestanden haben, erhalten darüber einen entsprechenden Bescheid. Denjenigen, die den schriftlichen Teil bestanden haben, werden ihre Noten zusammen mit der Ladung zur mündlichen Prüfung bekannt gegeben.

Die Noten werden zudem online  vorab (unverbindlich) zu einem von dem Prüfungsamt festgelegten Termin für die jeweilige Kampagne unter Angabe der Kennziffer der Prüflinge auf der Homepage im Bereich Service unter Klausurergebnisse veröffentlicht.

Die Bewertungen der angefertigten Aufsichtsarbeiten erfolgt durch die sogenannte offene Zweitkorrektur; d. h. jede Aufsichtsarbeit wird von zwei Prüfern nacheinander bewertet, wobei der Zweitprüfer die Bewertung des Erstprüfers kennt. Weichen die Bewertungen voneinander ab, sieht die BNotO zwei Alternativen des weiteren Vorgehens vor:

  • bei Abweichungen um nicht mehr als drei Punkte gilt gemäß § 7 b Abs. 2 Satz 4 BNotO der Mittelwert;
  • bei Abweichungen von mehr als drei Punkten ist gemäß § 7 b Abs. 2 Satz 5 zunächst ein Einigungsversuch (Einigung auf eine Note oder eine Annäherung auf weniger als drei Punkte Differenz) vorgesehen; bei dessen Scheitern erfolgt ein Stichentscheid durch einen dritten Prüfer.

Gemäß § 17 NotFV wird auf Antrag Einsicht in die schriftlichen Prüfungsarbeiten inklusive der Prüfervoten gewährt. Der Antrag ist binnen eines Monats ab Bekanntgabe der Gesamtnote der notariellen Fachprüfung bei dem Prüfungsamt zu stellen; d. h. für Prüflinge, die den schriftlichen Teil bestanden haben, erst nach der mündlichen Prüfung.

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