Mündliche Prüfung

Nähere Informationen zum mündlichen Teil der notariellen Fachprüfung

Allgemeine Informationen zur mündlichen Prüfung

In der mündlichen Prüfung soll insbesondere die sach- und situationsgerechte Ausübung der einem Notar obliegenden Prüfungs- und Belehrungspflichten unter Beweis gestellt werden (§ 7 c Abs. 1 Satz 4 BNotO). Die mündliche Prüfung nimmt ein aus drei Prüfern bestehender Prüfungsausschuss ab. Gemäß § 7 c Abs. 1 Satz 3 BNotO sollen nicht mehr als fünf Prüflinge pro Prüfungsgruppe gleichzeitig geprüft werden – in der Regel umfasst eine Prüfungsgruppe drei bis vier Personen.

Die mündlichen Prüfungen beginnen voraussichtlich im Abstand von vier bis fünf Monaten nach den Klausuren, der ersten Prüfungskampagne eines Jahres Mitte August bis Mitte September und der zweiten Prüfungskampagne Mitte Februar bis Mitte März, jeweils an den Wochentagen Freitag und Sonnabend.

Die mündliche Prüfung umfasst:

  • einen Vortrag zu einer notariellen Aufgabenstellung von höchstens 12 Minuten Dauer nach einer Vorbereitungszeit von einer Stunde sowie
  • ein Gruppenprüfungsgespräch. Das Gruppenprüfungsgespräch dauert je Teilnehmer etwa eine Stunde und hat unterschiedliche Prüfungsgebiete zum Gegenstand.
Vortrag

Für den Vortrag erhalten alle Prüflinge eines Prüfungstages dieselbe Aufgabenstellung. Die Aufgabenstellungen werden den Prüflingen einer Prüfungsgruppe im Abstand von 15 Minuten zur Bearbeitung ausgehändigt. Der Vortrag selbst wird in Abwesenheit der anderen Prüflinge einer Prüfungsgruppe vor dem Prüfungsausschuss gehalten. Nach dem Vortrag erfolgen keine vertiefenden (Zusatz-) Fragen bzw. kein Einzelgespräch des Prüflings mit dem Prüfungsausschuss, wie es in den mündlichen juristischen Staatsprüfungen einiger Bundesländer vorgesehen ist.

Übungsaufgaben für den Vortrag finden Sie im Bereich Service unter dem Punkt Musteraufgaben.

Gruppenprüfungsgespräch

Nach den Vorträgen folgt das Gruppenprüfungsgespräch. An dem Gespräch nehmen alle Prüflinge einer Prüfungsgruppe teil. Es dauert ca. eine Stunde pro Prüfling und wird durch angemessene Pausen unterbrochen. Für das Gruppenprüfungsgespräch ist keine bestimmte Vorgehensweise vorgesehen. Es erfolgt grundsätzlich kein einstündiges Zwiegespräch mit jedem Prüfling. Die Prüfer können sich auch mehrfach abwechseln und die Prüflinge in verschiedenen Blöcken prüfen. Ob das Gespräch anhand eines großen oder mehrerer kleinerer Fälle oder Fragen gestaltet wird, bleibt den Prüfern überlassen.

Zuhörer

Vertreter der Notarkammern, der Bundesnotarkammer, des Prüfungsamtes, des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz und der Landesjustizverwaltungen können bei der Prüfung als Zuhörer anwesend sein. Auch Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten, die zur notariellen Fachprüfung zugelassen worden sind, kann die Anwesenheit gestattet werden (§ 7 c Abs. 3 Satz 1 u. 2 BNotO). Anträge auf Zulassung als Zuhörer sind schriftlich vor Ablauf von einer Woche vor dem Prüfungstermin, für welchen die Teilnahme als Zuhörer beantragt wird, an das Prüfungsamt zu richten. Die Zuhörer haben sich gegenüber dem Vorsitzenden des Prüfungsausschusses vor Beginn der mündlichen Prüfung durch Vorlage der Entscheidung über ihre Zulassung sowie eines gültigen Personalausweises oder Reisepasses auszuweisen.

Einzelheiten zur mündlichen Prüfung sind in § 14 NotFV geregelt.


Aufgaben und Hilfsmittel

Aufgaben für den Vortrag

Die Aufgabenkommission bei dem Prüfungsamt für die notarielle Fachprüfung bei der Bundesnotarkammer hat folgende Vorgaben für die Gestaltung von Aufgabenvorschlägen für den Vortrag im mündlichen Teil der notariellen Fachprüfung beschlossen:

Als Gegenstand des Vortrags kommt die Lösung einer Aufgabenstellung zu einem praxisnahen Sachverhalt (z. B. die Erarbeitung eines Beratungsvorschlags für einen Rechtsuchenden), die Stellungnahme in einem Beschwerdeverfahren (z. B. in einer Kostenbeschwerdesache) oder ein Referat über ein notarspezifisches Thema (z. B. über Belehrungspflichten des Notars im Zusammenhang mit einem Grundstückskaufvertrag) in Betracht. Die Prüflinge sollen beim Vortrag in der Regel auf die Wiedergabe des Sachverhalts und/oder der Aufgabenstellung verzichten.

Die Rechtsgebiete, deren Kenntnis im Zusammenhang mit dem Vortrag vorausgesetzt werden kann, ergeben sich aus § 7a Abs. 4 BNotO und § 5 NotFV. Besonders zu beachten ist daneben § 7c Abs. 1 Satz 4 BNotO, wonach die Prüflinge in der mündlichen Prüfung neben ihren Fachkenntnissen insbesondere auch unter Beweis stellen sollen, dass sie die einem Notar obliegenden Prüfungs- und Belehrungspflichten sach- und situationsgerecht auszuüben verstehen.

Übungsaufgaben für den Vortrag finden Sie im Bereich Service unter dem Punkt Musteraufgaben.

Hilfsmittel

Unter dem Punkt Hilfsmittel sind Einzelheiten zu den zulässigen und unzulässigen Hilfsmitteln während der notariellen Fachprüfung aufgeführt.

Dort findet sich auch das

bezüglich der Hilfsmittel während der Vorbereitung des Vortrags, des Vortrags selbst und des Gruppenprüfungsgesprächs .


Bewertung und Notenbekanntgabe

Die in der mündlichen Prüfung erbrachten Leistungen werden ebenfalls nach § 1 der Verordnung über eine Noten- und Punkteskala für die erste und zweite juristische Staatsprüfung vom 3. Dezember 1981 (JurPrNotSkV) bewertet.

Dabei vergibt jeder Prüfer im Anschluss an das Gruppenprüfungsgespräch selbstständig eine Note für den Vortrag und das Gespräch. Weichen die jeweiligen Bewertungen voneinander ab, gilt der Mittelwert gemäß § 7 c Abs. 4 Satz 2 BNotO.

Die Bewertungen werden den Prüflingen unmittelbar nach der mündlichen Prüfung bekannt gegeben. Bei der Ermittlung für die Note der mündlichen Prüfung werden der Vortrag mit 20 % und das Gruppenprüfungsgespräch mit 80 % berücksichtigt (§ 15 Satz 2 NotFV).

Dem Prüfungsausschuss sind die Noten des schriftlichen Prüfungsteils nicht bekannt. Gemäß § 7 c Abs. 4 Satz 1 BNotO bewerten die Prüfer lediglich den Vortrag sowie das Gruppenprüfungsgespräch und stellen im Anschluss daran nur die Note der mündlichen Prüfung fest (§ 15 Satz 1 NotFV). Es ist nicht Aufgabe des Prüfungsausschusses, die Gesamtnote der notariellen Fachprüfung festzustellen. Darüber erstellt das Prüfungsamt einen Bescheid und das Zeugnis.

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